Frankfurter Rundschau, 1. Juni 1995

Barocke und romantische Musik in all ihren Facetten
Chöre und Orchester aus drei Gemeinden gaben ein Konzert in der Dreifaltigkeitskirche

Kirchenmusik in all ihren Facetten vom 16. bis ins 20. Jahrhundert, barocke und romantische Orchesterwerke: So umfassend präsentierte sich das Programm, das der Chor und das Kammerorchester der evangelischen Dreifaltigkeitsgemeinde, der Chor der Rödelheimer Cyriakusgemeinde sowie der Posaunenchor der Markusgemeinde aus Bockenheim in der Dreifaltigkeitskirche, Funckstraße 16 (Kuhwald), gemeinsam bestritten

Der Posaunenchor unter Leitung von Notker Bohner stimmte die rund 60 Zuhörer mit einem »Eröffnungsstück" von Melchior Franck auf den Abend ein, erfüllte mit Fanfaren den Kirchenraum, wobei die einzelnen Instrumentengruppen deutlich zu hören blieben.

Der Chor verblüffte a capella mit dreistimmigen Kirchenchorälen von Melchior Vulpius und Heinrich Schütz: Bis zum Ende hielten die 33 Sänger die Töne und sackten nur unmerklich ab — eine musikalische Glanzleistung, wie sie Laienchören selten gelingt. Das Männerquartett des Rödelheimer Kirchenchores vermochte an diese grandiose Leistung nicht anzuknüpfen. Erst im zweiten Anlauf stimmten die Einsätze, und auch dann blieben die Töne schief. Dennoch kämpften sich die vier Sänger mit wenig Ausdruck durch zahllose Strophen.

Hohepunkt des Abends war das Violinkonzert in a-Moll von Johann Sebastian Bach. Erstaunlich sauber begleiteten die zwölf Streicher des Kammerorchesters die famose Sologeigerin Silvia Barbu. Mit viel Gefühl interpretierte die Musikerin das barocke Werk Bachs. Das Orchester unter Leitung von Kantor Friedrich Schneider lieferte einen perfekten Klangteppich für die Solistin und paßte sich den Tempowechseln nahtlos an. Gerade die schwierigen Passagen im dritten Satz meisterten die Musiker fehlerlos. Das begeisterte Publikum spendete sogar zwischen den Sätzen Applaus. Elemente moderner Zwölftonmusik verbanden die Bläser in vier Bagatellen von Matthias Drude mit kraftvollen Klängen älterer Kirchenlieder. Eine ungewöhnliche Mischung, die der Posaunenchor problemlos bewältigte. Auch den hohen Ansprüchen einer Fuge in Es-Dur von Johann Sebastian Bach wurde der Posaunenchor gerecht.

Mit Werken moderner Komponisten sorgte der Chor für Stimmung in der Kirche. Die rhythmischen Kirchenlieder mit teilweise deutlichen Einschlägen eines Spirituals wurden von den Sängern sicher und schwungvoll vorgetragen. Kantor Friedrich Schneider hatte seinen Chor gut im Griff und mußte selten korrigierend eingreifen.

Mit drei Kantaten im barocken Stil verabschiedeten sich Chor und Orchester gemeinsam von den Zuhörern. Der lange Beifall dürfte die Musiker bestärkt und bestätigt haben, weiter an ihrem Programm zu arbeiten.
 

Markuskirche_180
Logo180x4303

Posaunenchor der

Evangelischen Gemeinde

Bockenheim

Kirchplatz 9

60487 Frankfurt am Main

letzte Aktualisierung
der Homepage am
2. September 2021

Jakobskirche_180
Logo_klein03